Hier werde ich alle meine Vorfahren, deren Wurzeln in Pommern, oder auch Westpreußen liegen, nach und nach vorstellen.

Ich fange mit meinem Großvater an. Sein Name war Gustav Plitt.

Er wurde am 31.03.1898 in Czartownia / Warthegau (Westpreußen) geboren.

Die deutsche Bezeichnung des Ortes war Teuflingen!

Mehr dazu unter Meine Vorfahren Teil II.

Hier ein Foto wo er etwa 19 Jahre alt ist.

 

Gustav Plitt
Gustav Plitt

Vom Beruf war er Müller und arbeitete auf dem Mühlengut seiner Eltern in der Nähe von Leipe (Lipno).

 

Hier ein Foto aus der selben Zeit wie oben, mit seinen beiden Brüdern (rechts) auf der 

Beerdigung seiner Schwester Alina Plitt am 19.10.1918

 

 

 

Dieses Foto entstand wahrscheinlich auf dem Friedhof zwischen Jozefowo und Teuflingen.

Der Friedhof wurde während des 2. Weltkrieges von russischen Soldaten verwüstet, inzwischen aber soweit wie möglich von polnischen Jugendlichen liebevoll restauriert.

 

 

Im Jahre 1918 dann zog er nach Loepersdorf / Zachelmie in Pommern, um sich der Wehrpflicht des neugegründeten Polens zu entziehen.

Dort lernte er seine spätere Frau kennen.

Am 13.07.1925 wurde das erste Kind, Bruno Plitt, geboren. Er hatte einen Geburtsfehler und Ihm war leider kein langes Leben gegönnt. ......dazu später aber mehr.

Am 12.12.1931 war es denn so weit. Gustav heiratete seine Frau Marianne Plitt, geborene Gil aus Mozgawa (Polen) in der Kirche zu Stramehl / Strzmiele.

Hier ist ein scan des Heiratsscheines:

 

1932 kam die Schulpflicht für Bruno ins Spiel und da alles passen musste wurde beschlossen nach Schlötenitz umzuziehen.

Schulkasse von Bruno Plitt aus Schlötenitz

 

 

 

Mein Großvater arbeitete zwischenzeitlich auf einem nahegelegenen Gutshof Giesenfelde bei Stargard. 1934 dann wurde der Umzug nach Stargard beschlossen.

In Giesenfelde kam dann auch meine Mutter Gisela, die noch immer lebt, auf die Welt......

und zwar am 02.09.1934.

Hier die originale Geburtsurkunde:

 

 

Es folgen zwei Fotos. 

Zuerst meine Goßmutter als junge Frau und dann zusammen mit meiner Mutter.

Das ist das einzige Foto, welches in der neuen Wohnung in der Wockenstraße 1

in Stargard aufgenommen wurde.

 

das einzige erhalten Familienfoto von 1935

Schulklasse von Bruno Plitt in Stargard

Leider besitze ich nur sehr wenige Fotos aus der Zeit und lade alle nach und nach hoch.

Hier noch ein Foto aus dem Jahre ???

 

Rot markiert habe ich meinen Großvater, meine Großmutter und meinen Onkel Bruno.

 

Mein Großvater war zwischenzeitlich zur Wehrmacht eingezogen. Er wurde ein Teil der 

25. Regiments der 12. Pz. Division, nachdem er mehrere Jahre in der Fliegerhorstkommandantur 

des Flugplatzes bei Klützow gedient hatte.

Hier eine Ausführliche Information zur 12. Panzerdivision:

http://www.balsi.de/Weltkrieg/Einheiten/Heer/Divisionen/Panzer-Divisionen/12-PD-Startseite.htm

 

Hier eine Rarität.....

ein Scan einer der letzten erhaltenen Ausgaben des Stargarder Tageblattes von 1943.

Leider nur 4 Seiten, da es sich hier um eine Kriegsausgabe handelt.

Zum vergrößern bitte auf die Fotos klicken!

 

Der 05.02.1943 war ein trauriger Tag.

Mit nur 23 Jahren verstarb mein Onkel Bruno an einer sehr seltenen Krankheit.

Er wurde auf dem "Neuen Friedhof" begraben.

Hier sein Grabstein:

 

Ab hier muss ich die Geschichte der Familie splitten.

Ich fange mit meinem Großvater an. 

Ab jetzt war er mit der 12.  Panzerdivision im Krieg.

Er kam nur noch einmal nach Hause und zwar zur Beerdigung seines Sohnes Bruno.

Die Division war ausschließlich in Russland eingesetzt und landete letzlich in 

Kurland, wo sie an allen 6 Kurlandschlachten beteiligt war und erst am 08. Mai 1945

vor den Russen kapitulierte.

Ab da ging mein Großvater in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst im 

Dezember 1953 als gebrochener Mann zurückkam.

Im Aufnahmelager Friedland schließlich traf er seine auf ihn wartende Familie, die ihn

in die neue Heimat nach Thesdorf im Kreis Pinneberg mitnahm.

Hier fand er schnell Arbeit als Platzwart des Fliegerhorstes in Uetersen.

Nun ein Foto mit seiner Frau und einem Bekannten (mittig) kurz vor seinem Tod.

 

Ein seltenes Dokument.

Eine der wenigen Karten aus der russischen Kriegsgefangenschaft.

 

Er starb schließlich im Jahre 1966 und fand auf dem Waldfriedhof in Pinneberg bei Hamburg seine letzte Ruhestätte.

Weiter gehts mit meiner Großmutter.

 

In Stargard arbeitete Sie im Reichsbahnausbesserungswerk in der Küche.

Ab 1943 wurde auch Stargard meist von russischen einzeln angreifenden Flugzeugen bombardiert.

Im Oktober 1944 aber begann eine neue Dimension des alliierten Luftterrors.

Am 6. Oktober griffen 199 US-Amerikanische B17 Bomber den nahegelegenen Flugplatz in Klützow an.

Die Bomben liessen ganz Stargard erbeben und versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken.

Die folgenden Fotos lassen die Zerstörungen am Beispiel des Fliegerhorstes in Klützow erahnen.

 

In der Abteilung Geschichte von Stargard werde ich hier noch näher drauf eingehen.

 

Die nachfolgenden Zeilen sind aus der Erinnerung meiner Mutter übernommen.

 

Was meiner Großmutter größere Sorgen machte, waren die damals kursierenden Gerüchte.

Die rote Armee war auf dem Vormarsch und stand schon auf deutschem Boden in Ostpreußen, Pommern und Schlesien.

Zunehmend zogen auch die Flüchtlingstrecks durch Stargard in Richtung Westen.

 

Eines Abends war Sie mit meiner Mutter auf dem Rückweg vom neuen Friedhof und stand gerade in der Schelliner Straße, als sie ein Donnergrollen warnahm. Langsam wurde Ihre gewiss, dass dies kein natürliches Phänomen war, sondern Geschutzsdonner.

 

Mitte Februar 1945 beschloss sie nun in Richung Westen zu fliehen. Vorsorglich nahm Sie die wertvollsten Sachen die die Familie besaß und packte diese in eine Kiste. Damit führ sie zum "Neuen Friedhof" und vergrub diese dann hinter dem Grabstein ihres Sohnes Bruno, immer in der Hoffnung wiederzukommen.

 

Am ersten März 45 war es dann so weit. Sie packte ihre Tochter Gisela und nahm sie mit dem wichtigsten Sachen bepackt mit zum Bahnhof, nachdem ein letzter Blick von ihr durch die Wohnung in der Wockenstraße 1 streifte.

 

Der Fussweg zum Bahnhof war bereits recht abenteuerlich, da die Russen nur noch einige Kilometer von Stargard entfernt waren und die Stadt fast unablässig von russischen Bombern angeflogen wurde.

Ab und an explodierten auch Artelleriegeschosse in unbequemer Nähe.

 

Bei einer kurzen Pause auf Höhe des Götheparks, schon in der Bahnhofstraße, war es dann soweit. Starr vor Schreck nahmen die beiden nur noch das unglaubliche Donnern von Motoren war und instinktiv warf sich meine Großmutter auf meine Mutter. Knapp verfehlten die Garben eines Tieffliegers die beiden.

Nachdem sie sich wieder aufrappelten sahen sie nur noch das blanke Chaos. überall Trümmer und teilweise seltsam verdrehte tote Körper, die hier und da herumlagen.

 

Am Bahnhof angekommen, mussten Sie feststellen, dass kein Zug mehr fuhr, dennoch war alles überfüllt mit Menschen. Meine Großmutter wollte die Hoffnung nicht aufgeben und kämpfte sich zu einem Bahnbeamten durch. Der sagte zu Ihr, dass noch Züge kommen, aber keiner weiß genau wann.

Er riet Ihnen sich schnellstmöglich zu Fuss in Richtung Stettin aufzumachen.

Gesagt getan. Mühvoll bahnten sich die beiden ihren Weg in Richtung Madüsee und zogen die Stettiner Straße lang.

Unterwegs sahen sie massenweise Panzer und Wehrmachts- und SS- Fahrzeuge.  Komischerweise fuhren sie nicht in Richtung Front nach Süden , sondern in ihre gedachte Fluchtrichtung.

Glücklicherweise hielt in Höhe Lindenberg ein LKW und der Fahrer winkte sie auf die Ladefläche.

Meine Großmutter wunderte sich, warum dieser mit starken französischen Akzent sprach. 

Heute weiß ich, dass es ein Versogungs- LKW der 28. SS Grenadierdivision "Wallonien" gewesen sein muss,

die sich in dem Moment in Richtung Seefeld zurückzogen.

 

Der Wagen nahm die beiden mit und in Franzhausen (kurz vor Altdamm), mussten sie den Wagen verlassen.

 

Zu Fuss machten sie sich auf in Richtung Stettin und kamen dort etwa am 2. März an.

 

Glücklicherweise erwischten sie noch einen Zug, der bis Stralsund fuhr. Für diese relativ kurze Strecke brauchte der Zug fast 12 Stunden, da er unterwegs mehrmals von Tieffliegern angegriffen wurde und es auch verletzte, glücklicherweise aber keine Toten gab.

 

In Stralsund gab es dann die erste warme Mahlzeit aus einer Rotkreuzküche.

 

Weiter ging es dann auf Irrwegen per Bahn bis nach Pinneberg bei Hamburg.

 

Dort wurden sie dann in eine Unterkunft eingewiesen, die meine Großmutter bis ins Jahr 1975 bewohnt hat.

 

Alles was ihnen dort blieb, waren eine Hand voll Fotos ein wenig Zeug, sehr wenig Erinnerungsstücke und die Hoffnung, eines Tages zurückzukehren.

 

Meine Großmutter starb am 09.11.1990 und liegt seitdem neben ihren Mann auf dem Waldfriedhof in Pinneberg begraben.

 

Epilog: Meine Mutter kehrte tatsächlich noch zweimal in Ihre Heimat zürück. 1996 fuhr ich Sie mit dem Auto dorthin. Sie erkannte fast nichts wieder. Einzigst die Kirchen hauchten ihr ein wenig Erinnerung ein.

Das Wohnhaus in der Wockenstraße 1 stand nicht mehr........